Der Zauber des Oratoriums Bruno Weil dirigierte den Paulus Von Hajo Berns Der Elias gilt als das dramatischere, der zehn Jahre früher, 1836 entstandene Paulus als das bedächtigere Oratorium Felix Mendelssohn Bartholdys. Gerade diese kontemplativen Züge kamen jetzt im 4. Philharmonischen Konzert wunderbar zur Geltung. Man hätte es sich vorher denken können, dass Bruno Weil der ideale Dirigent des Werks ist. Gleich in der Ouvertüre, die den Choral Wachet auf, ruft uns die Stimme verarbeitet, wurde der ganze Zauber spürbar, der dann die gesamte Wiedergabe durchwehen sollte beispielsweise in den Chorälen, die eher behutsam angegangen waren, dafür aber ein ganz besonderes Flair gewannen, das in der ungefährdeten Frömmigkeit transportierenden Geradlinigkeit fast irreal anmutete. Und das bei durchaus sehr bewusstem Umgang mit dem Text. Im Jahr vor seinem 150. Geburtstag war dies für den Städtischen Konzertchor Duisburg die letzte Kooperation mit Weil während dessen Zeit als General, und die von Guido Knüsel mit Akribie eingestellten Sängerinnen und Sänger absolvierten ihren tragenden Part mit hoher Stimmkultur und Engagement. Auch solistisch war die Aufführung hervorragend besetzt. Nataliya Kovalova geizte ebenso wenig mit Wohllaut wie der niederländische Tenor Patrick Henckens. Der Bassist Georg Zeppenfeld setzte ebenfalls auf Noblesse, weniger auf raumgreifende Stimmkraft. Bei der Mezzosopranistin Barbara Hölzl und dem Bassisten Jörn E. Werner waren die kleineren Aufgaben in besten Händen. Da auch die Philharmoniker sich für Mendelssohn und Weil gleichermaßen ins Zeug legten und für ein fein abgestimmtes Klangbild sorgten, wurde an diesem Abend wohl jedem Besucher klar, warum Paulus und Elias im 19. Jahrhundert so über alles beliebt waren. |