Rheinische Post vom 10.12.2001
|
Konzert der Musikalischen Gesellschaft in der
St.-Peter-Kirche Rheinberg: Grandioser Saison-Höhepunkt Mit großem Glanz und Erhabenheit RHEINBERG (RP).
Erwartungsgemäß war das Chorkonzert zum Rheinberger Kulturherbst in St. Peter
grandioser Höhepunkt der laufenden Spielzeit. Die "Musikalische
Gesellschaft" knüpfte damit nach längerer Zeit an die Tradition an,
sinfonische Großveranstaltungen durchzuführen. Es gastierten mit dem
Städtischen Konzertchor Duisburg, dem erweiterten Folkwang-Kammerorchester
Essen und James McLean (Tenor) hervorragende Kräfte unter der Leitung von
Guido Knüsel, einem der versiertesten Fachleute der Region. 80 Choristen und 50
Sinfoniker füllten den Altarraum, doch leider ließen sich dieses wunderbare
Ereignis viele Leute entgehen. Die Seitenschiffe waren nur spärlich besetzt. Elias und Paulus
Man hat die beiden
Oratorien "Elias" und "Paulus" nicht zu Unrecht als die
wichtigsten Oratorien des 19. Jahrhunderts bezeichnet, die würdig seien,
neben Bachs und Händels große Werke gestellt zu werden. Mendelssohn vereint
Anregungen aus den Werken beider Barockmeister zu einem durchaus persönlichen
Stil. Unter der Überschrift "Vom Dunkel zum Licht" wurden nur
Höhepunkte aus den beiden Abend füllenden Werken gespielt, hinzu kamen Teile
aus Mendelssohns Sinfonie-Kantate "Lobgesang" nach Worten der
Heiligen Schrift. Es ergab sich damit
einschließlich der Rezitationen durch Pfarrer Frank Kargus eine Konzertdauer
von in Kirchbänken gut "verträglichen" 90 Minuten. Doch welch eine
musikalische Fülle und welch eine Größe! Als der Choral "Wachet auf,
ruft uns sie Stimme" als Zugabe mit Chor wiederholt wurde, drang die
Botschaft "Ihr müsset ihm entgegen geh`n" eindringlich in die
Herzen der überwältigten Zuhörer. Mit der Vollendung
des Paulus-Oratoriums erfüllte der 25jährige Komponist den letzten Wunsch
seines Vaters und überwand damit auch seine eigene Trauer. Den Elias begann
er bereits ein Jahr später, vollendete ihn aber erst in seinem Todesjahr
1847. Glanz, Erhabenheit, Expressivität, kunstvolle Fugen, Final-Ausuferungen mit überbordender Klangfülle, die dem späteren Wagner leicht erkennbar Inspirationen besonders zu den Tutti-Momenten seiner Bühnendramen lieferte, das alles war in Rheinberg live zu erleben. "Alles, was Odem hat, lobet den Herrn", fordert Mendelssohn am Schluss seiner zweiten Sinfonie. Die makellose Aufführung entsprach dieser Vorgabe voll und ganz. Von WOLFGANG HOPPE |