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Rheinische Post
vom 08.11.2001 |
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Mendelssohns "Paulus" im Philharmonischen
Konzert Mustergültige
Artikulation
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(RP). Mit dem Choral "Wachet auf, ruft uns die
Stimme" eröffnet Felix Mendelssohn Bartholdy sein erstes Oratorium, und
aufschlussreich für die Aufführung des "Paulus" im vierten
Philharmonischen Konzert war die Behandlung der Choräle: Neben einer starken
Frömmigkeit strahlten sie zugleich eine gewisse Distanz aus, denn bei
langsamen Tempi wurde behutsam gestaltet. |
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Diese Praxis
betonte einerseits den Aufgriff eines tradierten barocken Modells - selbst
Mendelssohn wählte im "Elias" wieder andere Wege - , doch ging dies
freilich auf Kosten einer stringenten Handlungsführung und der Dramatik. Die Aufführung von
Mendelssohns "Paulus" war im positiven Sinne konventionell. Der
Dirigent Bruno Weil schien darauf zu vertrauen, dass dieses romantische
Vokalwerk einer wie auch immer gearteten Ehrenrettung nicht bedurfte. Deshalb
gab es in Duisburg keine neuen Akzente, sondern nicht mehr und nicht weniger
als eine überzeugende Darstellung des geistlichen Oratoriums. Mochte bei
manchen Rezitativen eine plastischere Ausgestaltung möglich gewesen sein, und
hätte das Verhältnis von Vokalpartien und Orchesterstimmen gelegentlich
hinterfragt werden können, so war die Realisierung insgesamt stimmig. |
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Zum letzten Mal mit Bruno Weil In
der Mercatorhalle war deutlich zu spüren, dass der Chor als Träger von
Mendelssohns Oratorien fungiert. Vor seinem 150. Geburtstag ließ der
Städtische Konzertchor Duisburg, von Guido Knüsel mit merklicher
Gewissenhaftigkeit betreut, mit einem bemerkenswerten Beitrag aufmerken. Bei
vorbildlich abgerundetem Gesamtklang überzeugte der große Chor mit
mustergültig präziser Artikulation und sorgfältiger Ausdrucksnuancierung. Es
war eine Freude, den hymnischen Lobgesängen und den dramatischen Volksszenen
zu lauschen. Darüber hinaus schien die letzte Zusammenarbeit des Chores mit
GMD Bruno Weil (Foto) von Sympathie und gegenseitigem Verständnis bestimmt
gewesen zu sein. |
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Gute Vokalsolisten
rundeten den vorteilhaften Eindruck ab. Bassist Georg Zeppenfeld kam ohne
jegliches vordergründiges Pathos aus, beeindruckte dafür umso mehr mit noblen
Wohllaut und großer Stimmkultur. Neben ihm bewies der Niederländer Patrick
Henckens, dass es um das Fach des lyrischen Tenors nicht unbedingt schlecht
bestellt ist: Bei ihm war es ein Vergnügen, ohne Fehl und Tadel gesponnene
frei ausschwingende Gesangslinien zu verfolgen. Natalya Kovalova aus der
Ukraine ließ mit apartem Soprantimbre aufhorchen und entschädigte reichlich
mit einer herrlich einfühlsamen "Jerusalem"-Arie für einige zu
robust gestaltete Abschnitte in den Rezitativen. Die kleineren Vokalpartien
waren mit Barbara Hölzl (Mezzosopran) und Jörn E. Werner (Bass) rollengerecht
besetzt. Das vierte
Philharmonische Konzert fand große Zustimmung, zumal die Duisburger
Philharmoniker mit klar definierten Orchesterfarben den Reichtum der
Komposition unterstrichen. MICHAEL
TEGETHOFF |