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Rheinische Post vom
01.12.2000 "Elias"
im Philharmonischen Konzert unter Bruno Weil Mit großer Kraft und
Genauigkeit
(RP).
Das Oratorium "Elias" besitzt Größe und Dramatik, denn Felix
Mendelssohn Bartholdy hat seine Vorbilder Bach und Händel gründlich studiert.
Was er aus ihren Oratorien und großen Chorwerken lernte, brachte er
bereichernd in die Romantik ein. Doch daneben ist der "Elias"
beherrscht von lyrischer Empfindungstiefe, denn Mendelssohn hat seine
Komposition um den eifernden alttestamentarischen Propheten um verhaltene,
dabei vor allem persönlich gefärbte Nuancen bereichert. Gerade
diese zwischen majestätischer Größe und schwärmerischer Innerlichkeit
wechselnden Pole wirken sich musikalisch äußerst günstig aus und machen den
"Elias" zu einem herausragenden Oratorium des 19. Jahrhunderts. Die
Ausführenden im fünften Philharmonischen Konzert wussten um die Bedeutung der
Komposition und setzten sich für eine in jeder Hinsicht überzeugende
Aufführung ein. Nun überraschte es nicht, dass ein großes Orchester und ein
noch größerer Chor Momente von dramatischer Kraft und monumentaler Größe zu
erzielen verstanden. Hoch
anzurechnen war jedoch die Gewissenhaftigkeit der Gestaltung. Noch bei
größter Kraftentfaltung ließen die Genauigkeit der Diktion und die
Ausgewogenheit des Gesamtklangs erkennen, dass der Städtische Konzertchor
Duisburg sich mit ganz viel Sorgfalt auf dieses Konzert vorbereitet hatte.
Hoch zu lobender Wohllaut der stilleren Sätze wies dem von Guido Knüsel
gewohnt souverän betreuten Chor vollends ein hervorragendes Zeugnis aus: Wann
lauscht man den einzeln präsentierten Stimmgruppen schon mit solcher Freude? Und der
Dirigent Bruno Weil legte selbst bei einer Betonung des dramatischen Ablaufs
starken Wert auf individuelle Konturen und ließ die an allen Pulten
überzeugenden Duisburger Philharmoniker gebührenden Anteil an einer stets
werkgerechten Auslegung der Partitur nehmen. Zwar
war Klaus Häger kurzfristig für Andreas Schmidt eingesprungen, doch
ersatzbedingte Einschränkungen brauchten nicht gemacht zu werden: Imposant
füllte der Bariton die Titelrolle aus, wechselte vorzüglich zwischen
markanter Autorität und lyrischer Verinnerlichung. Zu rühmen war balsamischer
Wohllaut, und in der Arie "Ist nicht des Herrn Wort wie ein Feuer"
brillierte er bei perfektem Stimmsitz mit fabelhafter vokaler Beweglichkeit. Einfach
himmlisch! Aus
einem guten Quartett ließ außerdem die Mezzosopranistin Barbara Hölzl
aufhorchen, da sie mit ihrer opulenten Stimme sehr gut zu charakterisieren
verstand. Jörg Hering war ein überzeugender, etwas neutral wirkender
Tenorsolist. Der hellen Sopranstimme von Nancy Allen Lundi mochte man die
wenngleich sicher beherrschten dramatischen Abschnitte oder das "Höre,
Israel" zwar weniger glauben, aber die lyrischen Sopransoli und die
Szenen der Engel sang sie einfach himmlisch! Mitglieder
des Opernstudios und ein Knabensopran vervollständigten die hochwertige, vom
Publikum begeistert aufgenommene Darstellung eines großen Werks. MICHAEL TEGETHOFF |